II. Betriebsübernahme - die leichtgemachte Existenzgründung?
Neugründung und Betriebsübernahme sind zwei verschiedene Arten der Existenzgründung. Genauso wie ein Neugründer muss auch ein Nachfolger einen Businessplan erstellen. Aufgabe des Nachfolgers ist es, die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Das heißt, ausgehend vom gegenwärtigen Zustand des Unternehmens muss dargestellt werden, mit welchen Produkten oder mit welcher Dienstleistung man die Marktposition des Betriebes erhalten und ausbauen will. Welche Strategien sollen verfolgt werden?
Um abzuwägen, welche Alternative für Sie interessanter ist -Neugründung oder Betriebsübernahme -, sollten Sie im Vorfeld Überlegungen bezüglich Ihrer Wünsche und Vorstellungen in Sachen Selbständigkeit anstellen. Können Sie Ihre Vorstellungen in einem übernommenen Betrieb langfristig realisieren? Hier sollten nicht nur unternehmerische Ziele, sondern auch Fragen bezüglich des Wohnorts oder der Form der Zusammenarbeit mit Mitarbeitern gehören. Auch die betriebswirtschaftliche Sicht sollte nicht außer Acht gelassen werden.
Vor- und Nachteile einer Betriebsübernahme
Bei einer Neugründung dauert es in der Regel einige Jahre, bis sich das Unternehmen etabliert hat und gute Erträge abwirft. Bei einer Übernahme liegen dem Existenzgründer von Anfang an betriebswirtschaftliche Zahlen aus der Vergangenheit vor, der Betrieb ist operativ und sollte seine laufende Kosten verdienen. Auf den ersten Blick erscheint es leichter, ein bereits bestehendes Unternehmen zu übernehmen als ein neues zu gründen. In mancherlei Hinsicht ist dies jedoch genau umgekehrt. Für einen Existenzgründer durch Übernahme gehören beispielsweise fachliches und kaufmännisches Know-how, Ausdauer, ein starker Wille sowie kommunikative und soziale Fähigkeiten ebenso, sogar ganz besonders, zu den erforderlichen Voraussetzungen. Denn: Von Anfang an muss man sein Können auf allen Schauplätzen eines bereits gewachsenen Betriebes gleichzeitig unter Beweis stellen.
Mittelständische Unternehmen sind oftmals durch ihre Besitzer geprägt, so dass sich nach der Übernahme vieles in und um den Betrieb ändert. Langjährige Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten haben sich auf diese Persönlichkeit eingestellt, so dass sich der neue Chef dieses Vertrauen erst erarbeiten muss. Oftmals ist es schwierig, in "eingefahrene" Strukturen Veränderungen einfließen zu lassen. Bei einer Betriebsübernahme sind Sie verpflichtet, die Mitarbeiter und Produkte zu übernehmen, auch wenn sie nicht in Ihr Konzept passen.
Nicht selten vernachlässigen Seniorunternehmer in den letzten Jahren ihrer Tätigkeit die Weiterentwicklung ihres Betriebes. Es stellt sich also die Frage, ob ein Investitionsstau gegeben ist. Außerdem sind Betriebsübernahmen in der Regel in absoluten Zahlen deutlich teuerer. Dies ist auf die Übernahme des Kundenstamms und des am Markt bereits etablierten Namens, die höhere Erträge versprechen, zurückzuführen. Der durchschnittliche Investitionsbedarf bei Übernahmen liegt bei ca. 250.000 Euro, während der durchschnittliche Kapitalbedarf bei Neugründungen bei 100.000 Euro liegt. Zur Ermittlung des Unternehmenswertes später mehr.
Vielen Altinhabern fällt es schwer, ihr Unternehmen loszulassen. Dauer und Aufgabenverteilung der Einarbeitungsphase sollten daher im Vorfeld geregelt werden.
Eine Existenzgründung durch Betriebsübernahme hat natürlich auch Vorteile:
- Das Unternehmen ist auf dem Markt bereits etabliert.
- Die oftmals schwierige Start-up-Phase einer Neugründung entfällt.
- Beziehungen zu Kunden und Lieferanten bestehen.
- Die Dienstleistung beziehungsweise das Produkt des Unternehmens ist eingeführt.
- Zweckentsprechende Räume sowie Betriebsinventar sind vorhanden.
- Die Mitarbeiter bilden ein eingespieltes Team, welches sich bereits über einen langen Zeitraum behauptet hat.
- Betriebsübernahmen werden finanziell wie eine Neugründung gefördert.