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INTERNATIONAL

Kasachstan als wichtiger Zukunftsmarkt

Für Firmen aus dem Nordschwarzwald zahlt sich Engagement in Zentralasien aus / IHK und AHK bieten gemeinsam Hilfestellung bei Markteinstieg

Wann immer man Peter Graf auf Kasachstan anspricht, weiß der Vertriebsleiter viel Gutes zu berichten. Doch der Prokurist bei Nedo in Dornstetten ist nicht nur ob der freundlichen Menschen und der Schönheit der Landschaft von dem zentralasiatischen Staat begeistert. „Kasachstan ist für uns ein ganz wichtiger Wachstumsmarkt”, sagt Peter Graf. „Es ist fast schon bedauerlich, dass so wenig Firmen aus unserer Region versuchen, dort Fuß zu fassen.” Dem begegnet die Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald mit gezielter Aufklärungsarbeit über ein Land, das –gemessen an den Rohstoffen – zu den zehn reichsten der Welt zählt.

Dazu hat sie den Delegierten der deutschen Wirtschaft für Zentralasien in den Kammerbezirk eingeladen. Von Jörg Hetsch lernten Unternehmer aus dem Nordschwarzwald in Pforzheim Basisinfos über die russischen Nachbarn und wie man mit Hilfe von IHK und AHK (Deutsche Auslandshandelskammer) in Zentralasien Geschäfte einfädelt. Die wichtigste Erkenntnis, die er vermittelt: „Erstmal die europäische Brille ablegen!” Vor allem schwäbische Tüftler und Maschinenbauer, aber auch viele andere Branchen, sind in Kasachstan gern gesehene Handelspartner, weiß Hetsch, der das Land wie seine Westentasche kennt, weil er seit Jahren mit seiner Familie dort lebt.

Davon kann auch Siegfried Weil ein Lied singen. „Kasachstan entwickelt sich für uns sehr positiv, das wird ein ganz wichtiger Partner für unsere Industrie”, sagt der Regionalverantwortliche für Osteuropa bei Homag in Schopfloch. „Denn die Leute dort streben nach vorne, und wir Deutsche genießen in Kasachstan einen hervorragenden Ruf.”

Den Mittelständlern im Nordschwarzwald rät Frank Krause, Geschäftsführer der HOMAG GUS mit Sitz in Moskau, deshalb auf jeden Fall zu verstärkten Anstrengungen auf dem zentralasiatischen Markt. Meistens werde Kasachstan total falsch eingeschätzt: „Das ist bei weitem kein Entwicklungsland mehr”; die Hauptstadt Astana sei mit Metropolen wie Stuttgart vergleichbar. Die Kasachen würden ohnehin viel lieber mit deutschen als mit asiatischen Partnern zusammenarbeiten. Die Homag-Gruppe hat sich bei einem Jahresumsatz von drei Millionen Euro in Kasachstan schon die Marktführerschaft erobert.

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 108 Milliarden US-Dollar in 2009 ist Kasachstan die größte und leistungsstärkste Volkswirtschaft in Zentralasien und verfügt auch über die größte Kaufkraft in der Region. Für dieses Jahr rechnen Experten mit einem BIP-Wachstum von rund drei Prozent. Die enormen Einnahmen werden in die Modernisierung der kasachischen Wirtschaft investiert. So hat die Regierung bis 2015 bereits ein Investitionsprogramm von 50 Milliarden US-Dollar genehmigt, woraus sich nach Ansicht von Birgit Tischendorf, Geschäftsfeld International bei der IHK Nordschwarzwald, große Geschäfts- und Lieferchancen für mittelständische Unternehmen der Region ableiten lassen. Denn die benötigte technische Ausrüstung und das Know-how für die Realisierung der geplanten Infrastruktur- und Industrieprojekte könnten von kasachischen Firmen mangels Qualität oder fehlender lokaler Produktionsmöglichkeiten oft gar nicht hergestellt werden.

Nedo liefert die ganze Bandbreite seiner Vermessungs- und Messwerkzeuge über einen Fachhändler vor Ort nach Kasachstan. „Ohne diese neuen Märkte”, betont Peter Graf, „hätten wir unsere Firma nicht so entwickeln können.” Wie hoch die Handelsbeziehungen nach Deutschland in Zentralasien angesiedelt sind, zeigt allein der 1994 gegründete Deutsche Wirtschaftsklub in Kasachstan. Er zählt, berichtet das geschäftsführende Vorstandsmitglied Jörg Hetsch, bereits 100 Mitglieder.

Zu wichtigen Fragestellungen über die wirtschaftliche Lage oder Marktstudien informiert die IHK Nordschwarzwald unter Telefon 07231/201-136 oder per Mail: tischendorf@pforzheim.ihk.de. Außerdem stellt sie den Kontakt zur AHK her, die nicht nur mit ihren Kontakten und in rechtlichen Fragen hilft, sondern sogar prüfen kann, ob ein Produkt aus der Region für den Markt in Kasachstan überhaupt interessant ist.

Bild: Jörg Hetsch, Delegierter der deutschen Wirtschaft für Zentralasien, und Birgit Tischendorf, Geschäftsfeld International bei der IHK Nordschwarzwald, informieren über den Wachstumsmarkt Kasachstan. © Bild und Text: Werner Klein-Wiele

DOKUMENT-NR. 27925

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