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RECHT UND FAIR PLAY

Das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns revitalisieren

Berlin, 2010-04-13. „Es dauert zehn Jahre, einem Unternehmen ein positives Image zu verleihen, aber nur zehn Sekunden, um dies zu verlieren,” sagte einmal der amerikanische Investor Warren Buffet. Aktuell gibt es viel zu tun, um die Glaubwürdigkeit der Wirtschaft wieder zu stärken. Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen ist dabei ein Schlüsselwort.

Es waren nicht die Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft, die die Finanzmarktkrise herbeigeführt haben, sondern deren Nicht-Beachtung. Gerade in der Marktwirtschaft, die nicht von staatlicher Planung, sondern vom Engagement jedes Einzelnen lebt, ist die eindeutige Übernahme von Verantwortung wichtig. Hierfür steht der „Ehrbare Kaufmann”. Das Synonym für verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln im Wirtschaftsleben hat nach wie vor Gültigkeit. Es steht für ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für das Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft und Umwelt. Der Ehrbare Kaufmann stützt sein Verhalten auf Tugenden, die auf langfristigen wirtschaftlichen Erfolg abzielen, ohne den Interessen der Gesellschaft zu schaden.

Kurzfristig kann zwar derjenige einen wirtschaftlichen Erfolg erzielen, der sich nicht an Spielregeln hält. Wer aber dauerhaft mit seinen Kunden im Geschäft bleiben will, kann sich das nicht erlauben. Wer langfristig erfolgreich sein will, der handelt ehrbar, nicht in erster Linie, weil er moralisch oder altruistisch veranlagt ist, sondern weil er auch morgen im Geschäft sein will. Gesellschaftlich engagierte Unternehmen handeln aus unterschiedlichen Motiven: Verantwortungsvolle Unternehmensführung (Corporate Social Responsibility) verschafft den Unternehmen ein gutes Image, Vorteile bei der Kundenbindung oder bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern – vor allem, wenn sie ihr soziales, kulturelles oder ökologisches Engagement auch strategisch einsetzen.

Wir als Vertreter der Wirtschaft müssen in der Krise Lösungen anbieten. Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen und verantwortungsbewusstes Unternehmertum und Handeln vorleben. Das gelingt auch dadurch, dass wir uns auf vielfältigste Weise engagieren – in der Ausbildung, in Bündnissen für Familie, in der Kunst- und Bildungsförderung oder bei der Integration von Migranten. Gefragt ist ein werteorientiertes Management, das vorausschauend Risiken erkennt, nachhaltig wirtschaftet und Arbeitsplätze erhält. Denn neben technischen und kaufmännischen Fähigkeiten müssen Manager auch Führungsfähigkeit besitzen. Deshalb sollten Aspekte der verantwortungsvollen Unternehmensführung künftig bei der Auswahl des Nachwuchses stärker berücksichtigt werden und bei Einstellungsgesprächen auch Fragen nach dem Führungsstil sowie dem Werte-Leitbild eine Rolle spielen.

Eine große Herausforderung besteht darin, für eine Ausgewogenheit zwischen Markt und sozialer Verantwortung zu sorgen. Dabei wächst der Druck auf Unternehmen, sich national und international gesellschaftlich einzubringen. Die freiwillige Übernahme gesellschaftlichen Einsatzes ist gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern wichtig. Unternehmen sind hier oftmals in ihrer geschäftlichen Tätigkeit mit Problemen wie existenzieller Armut, mangelnder Gesundheitsfürsorge, AIDS, Korruption oder fehlenden Arbeitsschutzregulierungen konfrontiert. Unternehmen können mit ihrem Engagement aber auch hier immer nur ergänzend wirken und nicht die Verantwortung des jeweiligen Staates ersetzen. Aufgabe der Politik ist es, einen ordnungspolitischen Rahmen zu schaffen, der die Grundlage für unternehmerisches Handeln bietet und so den Unternehmen Möglichkeiten für freiwilliges Engagement eröffnet. International vereinbarte Grundsätze wie der Global Compact oder die dreigliedrige Erklärung der International Labour Organisation können für internationale tätige Unternehmen eine passende Orientierung bilden.

Hier in Deutschland sollten wir Unternehmer öffentlich für eine Kultur der Verantwortung eintreten. Denn nicht zuletzt davon wird abhängen, wie erfolgreich unsere Wirtschaft nach der Krise sein wird. Hier ist die IHK-Organisation ganz besonders in der Pflicht, ist ihr doch die Idee des Ehrbaren Kaufmanns geradezu in die Wiege gelegt worden. Gerade die gesetzliche Mitgliedschaft fordert uns, Verstöße gegen das Prinzip der Verantwortung auch in den eigenen Reihen deutlich und offen anzusprechen.

Verfasser: DIHK-Präsident Prof. Dr. Hans Heinrich Driftmann, Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Berlin

DOKUMENT-NR. 27931

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