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STANDORTPOLITIK

20 Jahre Aufbau Ost

Am 09. November 2009 jährte sich der Fall der Berliner Mauer zum 20. Mal. Auch wenn nicht überall im Osten der Republik die sprichwörtlichen blühenden Landschaften entstanden sind, so haben sich doch einige Regionen – wie das Urlaubsparadies Ostseeküste und die Hightech-Region Jena – prächtig entwickelt. Die ökonomischen Fortschritte kommen nun auch auf dem Arbeitsmarkt an.

Das beherzt ausschreitende grüne Ost-Ampelmännchen symbolisiert gleichsam die wirtschaftliche Entwicklung auf dem Gebiet der früheren DDR: der Osten holt gegenüber dem Westen kontinuierlich auf. Wie weit der dabei zurückgelegte Weg in den vergangenen zwei Dekaden war, wird deutlich, wenn man ins Jahr 1991 zurückblickt: Damals erwirtschaftete jeder Ostdeutsche ein Drittel dessen, was ein Westdeutscher zum Bruttoinlandsprodukt beitrug. Heute dagegen ist der Osten bei 70 Prozent angelangt.

Vor allem die Industrie hat zu diesem Ergebnis maßgeblich beigetragen. Ihr Anteil an der ostdeutschen Bruttowertschöpfung hat sich von nur 11 Prozent auf fast ein Fünftel erhöht. Mit gut 50 Milliarden Euro war die Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes in den fünf neuen Ländern ohne Berlin im Jahr 2008 3,6-mal so hoch wie 1991. Am schnellsten wuchs in diesem Zeitraum Thüringens Industrie mit durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr, aber auch Brandenburg und Sachsen legten um mehr als acht Prozent pro Jahr zu.

Vor allem in Sachsen, Thüringen und im Süden von Sachsen-Anhalt sind leistungsfähige Fabriken entstanden; im Automobilbau, in der Chemie, in der Photovoltaik sowie in der Mikro- und Optoelektronik. Weniger erfolgreich in Sachen Industrieansiedlung war der Norden von Neufünfland. Die mecklenburgischen Werften sind existentiell bedroht, andere Industrien sind in der Küstenregion rar.

Dafür entwickeln sich die mecklenburgische Seenplatte und die Ostseeküste zu Tourismusmagneten. Mit 164 Übernachtungen pro 10.000 Einwohner lag Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2008 konkurrenzlos an der Spitze aller Bundesländer. Der gesamtdeutsche Durchschnitt betrug dagegen nur 45 Übernachtungen.

Hotels und Gasthäuser lassen sich zwar von der Politik nicht so spektakulär vermarkten wie Hightech-Firmen; sie schaffen aber ebenso viele Arbeitsplätze. Nicht zuletzt deshalb ist die Arbeitslosigkeit in allen neuen Bundesländern deutlich gefallen. Noch 2005 lag die Arbeitslosenquote im Schnitt bei 18,7 Prozent, in vielen Landesteilen war sogar mehr als ein Fünftel der Menschen ohne Job. Im Oktober 2009 betrug die ostdeutsche Arbeitslosenquote im Durchschnitt dagegen nur noch 11,8 Prozent.

Trotz aller Fortschritte ist aber noch ein weiter Weg zurückzulegen, bis auch im Osten der Arbeitsmarkt wirklich rundläuft. Die geburtenschwachen Nachwende-Jahrgänge sorgen zwar in den kommenden Jahren dafür, dass das Arbeitskräfteangebot sinkt und dadurch die Arbeitslosigkeit eingegrenzt werden kann. Doch langfristig sind die Ausfälle an Nachwuchs eine schwere Hypothek für die weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung im Osten Deutschlands.

Wie geht es weiter mit dem Aufbau Ost? Wann wird der Osten zum Westen aufgeschlossen haben? Setzt sich der Trend der vergangenen 20 Jahre fort, so wäre Ostdeutschland als Ganzes schon in etwa 12 Jahren so weit wie die schwächeren Länder im Westen, wie z.B. Schleswig-Holstein oder auch Niedersachsen.

Wenn es voraussichtlich auch nicht so schnell gehen wird, sollten dennoch die speziellen Hilfen für Ostdeutschland überdacht werden, wenn im Jahr 2019 der Solidarpakt II ausläuft. Mit dem Länderfinanzausgleich und der Regionalförderung gibt es ebenso leistungsfähige Hilfen, um schwächere Länder in ihrer Entwicklung aufzupäppeln – egal ob sie sich nun im Osten oder Westen befinden. Einen Solidarpakt III braucht es nicht.

Letztlich wird man sich aber auch von der Auffassung verabschieden müssen, dass es überall in Deutschland das gleiche Entwicklungsniveau geben muss. Man sollte vielmehr anerkennen, dass bei vergleichbaren Lebensverhältnissen die regionalen Unterschiede durchaus bestehen bleiben können – zwischen Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg ebenso wie zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Bayern.

Quelle: iwd und IHK

DOKUMENT-NR. 25345

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